Der Reformierte Weltbund

Reformierter Weltbund -
World Alliance of Reformed Churches

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Der Reformierte Weltbund ist ein Zusammenschluss von reformierten, kongregationalistischen, presbyterianischen und unierten Kirchen aus der ganzen Welt. Er verbindet mehr als 75 Millionen Christen aus 218 Kirchen in 107 Ländern, die alle in reformierter Tradition stehen.
Die Ursprünge dieser Tradition liegen im 16. Jahrhundert. Die Reformatoren Ulrich Zwingli, Johannes Calvin, Martin Bucer und viele andere weniger bekannte europäische Reformatoren haben die Grundsteine zu den heutigen reformierten Kirchen gelegt: Zwingli mit seiner Abendmahlstheologie, die in ihrer Betonung des Abendmahls als Gedächtnismahl bis heute die reformierten Gemeinden prägt; Bucer mit seiner Kirchenorganisation, in der die Gemeinde durch Pastoren und gewählte Gemeindeglieder geleitet wird; und Calvin mit seiner Systematisierung der reformierten Theologie in der Institutio Christianae Religionis.

Die reformierten Kirchen zeichnen sich durch ihren Gemeindebezug und ihre Betonung der Herrschaft Gottes über die ganze Erde aus. Diese Herrschaft zeigt sich in Gottes Geschichte mit den Menschen, die in der Bibel im Alten und im Neuen Testament bezeugt ist und in der Geschichte der Kirche und des Volkes Israel weitergeht. Gott hat einen Bund mit den Menschen geschlossen, zu Beginn der Welt in der Schöpfung und mit Noah, hat ihn in Abraham bestätigt und in Jesus Christus erneuert. Von diesem Bund, von Gottes Geschichte mit den Menschen, seinem Zuspruch und seinem Anspruch erzählt die Heilige Schrift.
Reformierte Christen vertrauen auf Gottes Zusage, dass sein Segen der ganzen Schöpfung gilt. „Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“ (Ps. 24,1) Gleichzeitig nimmt Gottes Bund die Menschen in Anspruch, sich nun ihrerseits für die Umsetzung der Herrschaft Gottes in der Welt einzusetzen. Dies ist der Aspekt, der in der Arbeit des Reformierten Weltbundes und in seinem Selbstverständnis in den letzten Jahren in den Vordergrund getreten ist.

„So spricht der HERR: Wahret das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbart werde.“ (Jes. 56,1) Gott kommt und bringt Gerechtigkeit und Heil auf die Erde, und Christen leben in ihrem Glauben an diese Zusage Gottes so, dass sie selbst sich für Gerechtigkeit und Heil, für ein „Leben in Fülle“ für alle einsetzen.

Aus dieser Überzeugung heraus engagieren sich die Christen, die sich im Reformierten Weltbund zusammengeschlossen haben, in Abteilungen und mit verschiedenen Programmen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. So wurde zum Beispiel ein „Bündnis für Gerechtigkeit“ gegründet, das wirtschaftliche, soziale und ökologische Auswirkungen der Globalisierung untersucht, auswertet und die Menschen über Chancen und Risiken der Globalisierung aufklärt. Menschen aus allen Teilen der Welt, Männer und Frauen, Jugendliche und Erwachsene, arbeiten gemeinsam an dem Projekt, an dessen Ende eine Stellungnahme der reformierten Kirchen zur Globalisierung stehen soll.

Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung prägt die kontinuierliche Arbeit des Reformierten Weltbunds ebenso wie seine Vollversammlungen, die alle sieben Jahre zusammentreten. „Dass alle Leben in Fülle haben“ lautete das Thema der Vollversammlung des Reformierten Weltbunds, die 2004 in Accra, Ghana, stattfand. Die Vollversammlung rief eindringlich zum Engagement für Gerechtigkeit auf und verband dies mit der Aufforderung, die Rechte von Frauen sowie Kindern und Jugendlichen in den reformierten Kirchen und im Reformierten Weltbund zu stärken.

Doch nicht nur in der Ethik spricht sich reformierter Glaube aus: Ein weiteres wichtiges Merkmal reformierter Kirchen und Gemeinden ist ihre Struktur. Sie bauen sich von unten auf. Die Gemeindeglieder wählen aus ihrer Mitte Älteste, die die Gemeinde gemeinsam mit Pfarrern und mancherorts auch Diakonen leiten. Die Gemeinden entsenden Vertreter in die reformierten Kirchen und Kirchenbünde und sind dadurch auch an allen überregionalen Entscheidungen beteiligt. Dies führt zwar einerseits zu einer starken Zersplitterung innerhalb der reformierten Gemeinschaft, aber andererseits werden so die Einzelnen und die einzelnen Gemeinden in besonderer Weise wahr- und ernstgenommen.

Judith Becker (2006)

Kurze Geschichte der reformierten Kirchen